Zurück ins Leben geliebt – Colleen Hoover | Rezension

Ach, Colleen Hoover. Ich mag ja ihre Bücher sehr gern. Also zumindest die Losing Hope Reihe. Die war nämlich grandios! Da hab ich richtig Lust auf alle anderen Bücher bekommen von ihr, obwohl ich vorher schon die Slammed Reihe las. Die ich gut fand, aber Teil 3 hats dann doch ziemlich vermasselt, muss ich sagen. „Zurück ins Leben geliebt“ (Ugly Love) stand dann auf meiner Wiehnachtswunschliste und wurde mir von einer lieben Freundin geschenkt. Sie meinte es ja nur gut…

Zum Inhalt:

Vom Buchcover:

Miles und Tate – eine Lovestory, die unter die Haut geht wie kaum eine andere

keine Gefühle – das verordnen sich Miles und Tate zu Beginn ihrer Beziehung. Doch das ist riskant, wenn unter der Oberfläche so viel Verborgenes brodelt…

Sexy, unendlich faszinierend, hoch emotional. Der neue Geniestreich von Spiegel-Bestsellerautorin Colleen Hoover!

Es geht um Tate, die bei ihrem Bruder einzieht, weil sie ein neues Studium anfängt und erst einmal eine Weile klarkommen muss, bevor sie in ihre eigene Wohnung zieht. Ihr Bruder Corbin ist Pilot in Ausbildung, genau wie seine Kumpels Dillon, Ian und Miles. Zu Miles beginnt Tate eine besondere Beziehung zu haben. Doch Miles hat vor sechs Jahren etwas erlebt, dass ihn nie wieder Lieben lässt.

Meine Meinung:

In der Kunstgeschichte lernt man ja, immer vom Großen ins Kleine und von Außen nach Innen zu beschreiben. Ich nehm das mal hier wörtlich und fang mit dem Cover an. Das Deutsche Cover ist ein Graus für die Augen. Die Schriftart des Titel ist lächerlich! Jeder 6. Klässler hätte das so hinbekommen. Bloß gut, ist es kein Comic Sans geworden. Das Bild mag ich eigentlich gar nicht kommentieren. Es passt NULL! Nur weil es etwas mit Liebe zu tun hat, müssen nicht Frauenbeine in Blümchenkleid aufs Cover! Das Originalcover dagegen ist Perfektion. Ugly Love hat Schrift und Bild sehr gut vereint und das Bild PASST zum Inhalt! Warum, weiß man erst später. Aber es passt einfach! Nehmt euch doch mal ein Beispiel, deutsche Verlage! Und packt nicht sinnloserweise Frauen überall drauf.

Wie oben erwähnt mag ich den Schreibstil von Colleen Hoover eigentlich sehr gern. Ich habe mit Slammed angefangen – in der deutschen Version! Habe dann andere zwar auf englisch gelesen, aber es hielt mich nicht davon ab. Hier dachte ich wirklich, es läge an der Sprache. In Deutsch kam mir alles so… kitschig und klischeehaft vor. So fremdschämend! Und die Art, wie Miles‘ Kapitel geschrieben sind: in Versform?! Bitte nicht! Ich bin gern dafür, dass man mit Schrift und Sprache spielt, aber das war dann doch zu viel. Etwas subtiler hätte es sein können. Wenn einem nicht nur durch die Worte, sondern auch die Größe der Buchstaben ins Gesicht gebrüllt wird…

Achtung: enthält SPOILER!

Ich mochte die Hauptfiguren absolut nicht. Am besten fand ich noch Ian, weil der irgendwie die gute Seele des Buches war. Danach vielleicht noch Corbin. Aber Miles und Tate? Puh, wo fang ich nur an?

Kurze Vorgeschichte: Miles und Tate sind Friends with Benefits. Wobei sie nicht mal richtig Freunde sind. Sie haben eine rein sexuelle Affäre und Miles erlaubt keinerlei Gefühle. Tate geht darauf ein, obwohl sie schon von Anfang an in ihn verknallt ist. Natürlich führt das zu Problemen.

Tate. Kommt zuerst wie eine toughe junge Frau rüber, die nach San Fransisco zu ihrem Bruder zieht, weil sie studiert. Nebenbei arbeitet sie am Wochenende und an Feiertagen in der Klinik als Krankenschwester. Sie will Menschen helfen, hat einen Plan. Das alles klingt erstmal ganz gut. Sie wird auch nicht als girly bezeichnet (deswegen ist das Cover so großer Mist) und „Tate“ klingt auch nicht nach Mädchen. Allerdings bleibt von ihrer Selbstständigkeit absolut nichts mehr übrig, sobald sie Miles verfallen ist. Und das ist sie. Von jetzt auf gleich. Ein Blick von ihm genügt und sie schmilzt und übrig bleibt eine willenlose Pfütze mit dem Namensschild von Tates Krankenschwester-Uniform. Meine Augen taten irgendwann weh, vom vielen Rollen. Diese „innere Stimme“, die Gedanken einer Frau, die keine Eigenständigkeit mehr besitzt, weil sie einem Kerl verfallen ist, der sie wie Dreck behandelt. Hmmm… woher kennen wir das? Fifty Shades? Twilight? OHMEINGOTT STOPP! Ich möchte bitte EINMAL eine Liebesgeschichte lesen, bei der die Frau SIE SELBST bleibt und nicht zu einem sabberndes und nickendem Etwas wird. Ihre Lieblingswörter sind alle Wörter, die Miles zu ihr sagt. Ochse zum Beispiel. Hm?! Oh und: ihre Meinungsänderungen sind super fix. Von jetzt auf gleich – ohne ersichtlichen Grund – ändert sie ihre Meinung KOMPLETT – und das mehrmals im Buch. Eine Sekunde ist Miles ihr ein und alles. In der nächsten hasst sie ihn und weint und schreit. Total unverständliche Charaktereigenschaften, mit denen man sich null identifizieren kann.

Miles. Miles ist der junge Mann, der nie lacht, immer nur ruhig in der Ecke steht und natürlich der Frauenschwarm wird. Er ist auch einer der besten Lover und Küsser, den Tate je hatte. Was daran liegt, dass er seit 6 Jahren keine Frau angefasst hat. Eh? (Und selbst davor hatte er nur eine… Natürlich ist er ein Sexgott) Ohne ersichtlichen Grund erlaubt er sich bei Tate eine Ausnahme zu machen von seiner komischen Regel, die er seit 6 Jahren hat. Seit er nicht mehr mit Rachel, seiner ersten Freundin zusammen ist, will er nicht mehr lieben. Und auch keinen Sex haben, apparently. Aber Tate hat irgendwas an sich, was seine Meinung ändert (wahrscheinlich die Fähigkeit zu einer Pfütze zu werden…) Miles hat ein dunkles Geheimnis – und to be honest – dieses Geheimnis war der einzige Grund, wieso ich dieses Buch zu Ende gelesen habe. Ich wollte wissen, warum er so dumm durch die Gegend läuft. Und es hat mich furchtbar enttäuscht. Er war mit Rachel zusammen, die seine Stiefschwester wurde und dann auch noch Schwanger. Am Ende verloren sie das Kind durch einen (zugegebenermaßen durch Miles ausgelösten) Unfall. Großes Drama und sehr verständlich, den Schmerz zu verkraften. Aber… die Auflösung… also, dass Miles zu Rachel fährt und sich von ihr die „Erlaubnis“ geben lassen muss, wieder glücklich zu sein. Nach 6 Jahren. Das ist großer Bullshit. Erst gegen Ende gibt es auch ein aktuelles Kapitel aus Miles Sichtweise, das einmal Einblick in seine Gefühle für Tate gibt. Vorher gab es immer nur den Miles von vor 6 Jahren, bei dem man nur lernte, dass Miles in Rachel verliebt ist. Welch Charakterentwicklung! Nicht.

Ich musste manchmal wirklich das Buch weglegen, weil mein Kopf so wehtat, von dem Schwachsinn, der gerade passierte im Buch. Die Sexszenen waren absolut unrealistisch und klischeehaft. Ich meine, Miles hat Rachel geschwängert und hat dann Sex ohne Kondom mit Tate?! Damit das ganze NOCHMAL passieren kann? Weil er sich darauf verlässt, dass Tate die Pille nimmt?! Wirklich? Und er ist aggressiv und overprotective wenn es um sie geht, will aber keine Gefühle zeigen? Natürlich macht das Tate Hoffnung! Das ist das normalste der Welt! Wenn sich ein Kerl so um dich kümmert, dann machst du dir Gedanken. Meine Güte. Vor allem, wenn er mit dir schläft -.-

Das sehr fixes Happy End fand ich auch crappy. Einfach weil es so schnell ging. „Ja wir sind jetzt ein halbes Jahr zusammen und ziehen gerade zusammen in eine Wohnung!“ „Ja, vor zwei Jahren haben wir geheiratet und gerade kriegen wir unser erstes Kind. Sie sieht aus wie mein erster Sohn! Toll!“ Einfach so. Und aus Tates Sicht kam da auch NICHTS mehr. Wie sie mit der ganzen Sache umgeht, mit Miles Vergangenheit oder ihren Gefühlen dazu. Wie die beiden struggeln damit klar zu kommen, was Miles ihr angetan hat. Nö. Alle sind Happy. Verdammte amerikanische Silver Lining Scheiße.

Fazit:

Ich fand das Buch furchtbar. Das Geheimnis von Miles hat mich das Buch durchziehen lassen, aber gelohnt hat es sich nicht. Nur, dass ich jetzt weiß, wieso das Originalcover aussieht, wie es aussieht. Und dass es Hoffnung gibt. Aber die Charaktere sind mies, die Story ist mies, der Schreibstil ist mies. Bitte Bitte, lass die anderen Colleen Hoover Bücher besser sein, als dieses hier. BITTE T__T

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